Zweiter Versuch…

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Zu Hause angekommen, schleudere ich lustlos mein Sakko und meine Umhängetasche in eine Ecke meiner viel zu kleinen Wohnung. Ich bereue diese Tat auf der Stelle, als mir einfällt, dass sich mein Laptop noch in der Tasche befindet. Als ich überprüft habe ob der Laptop noch funktioniert (lediglich den Bildschirm ziert jetzt ein schicker Sprung von der rechten oberen Ecke bis fast genau zum Mittelpunkt) muss ich vor Erleichterung erstmal aufs Klo.

Ich lege das Buch beiseite, das ich gerade lese. Ein Buch über einen Millionär. Es ist witzig, aber auch irgendwie traurig weil es dem Typen in dem Buch ähnlich geht wie mir. Im Vergleich zu mir ist er aber fiktiv. Und hat zudem auch noch einen Plan um sich aus der Misere zu befreien, in der er steckt. Während ich mich darüber aufrege, dass mein Mitbewohner schon wieder zum günstigsten Klopapier gegriffen hat, was mich unfreiwilliger Weise dazu gebracht hat, mit meinem tiefsten Inneren in Kontakt zu treten, denke ich mir, dass ich das mit dem Buch schreiben ja auch mal versuchen könnte. So als Selbsttherapie. Außerdem werde ich ab jetzt mein eigenes Klopapier kaufen.

Es klingelt an der Tür als ich gerade überlege ob ich was kochen soll oder mich doch von Alkohol ernähre. Ich werfe einen Blick durch den Türspion. Davor steht ein, durch die Linse ein wenig verzerrter, aber doch deutlich identifizierbarer Sören. Sören und ich haben als Nachbarn angefangen, als ich vor vier Jahren hier eingezogen bin. Inzwischen reden wir sogar miteinander.

Ich öffne die Tür. „Hallo Sören.“ „Hey! Hast du Lust mit mir Bier aus Plastikflaschen zu trinken?“ Jetzt bin ich froh, Sören zu sehen. Ohne es zu wissen hat er mir die Entscheidung über die Art meiner  Nahrungsaufnahme gerade abgenommen. „Klar, komm rein!“ Ich trete bei Seite um Sören Einlass zu gewähren. „Hier“ sagt Sören und drückt mir zwei Sixpacks Bier in Plastikflaschen in die Hand. „Sind nicht kalt, mein Kühlschrank ist heute von uns gegangen“, erklärt Sören den Zustand des Biers. „Wenn du es noch ein wenig länger neben der Heizung hättest stehen lassen, könnten wir Löcher rein stechen und das Bier inhalieren“, gebe ich zurück und überlege, ob ich das Bier in ein Glas oder doch eine Suppenschüssel gießen soll. Ich entscheide mich letztendlich für die Gläser und stelle den Rest kalt. Einem geschenkten Gaul schaut man eben nicht ins Maul.

„Prost!“ wir prosten uns zu und setzen uns auf die Couch. „Wie war es denn bei der Bank?“ will Sören wissen. „Ach diese Banker sind einfach nicht mehr in der Lage wahres Genie zu erkennen, wenn sie es sehen“, beschreibe ich achselnzuckend meine heutige niederschmetternde Erfahrung bei der Bank, die mein Vertrauen verloren hat. „Aha“, sagt Sören. Er fand meine Geschäftsideen bis jetzt immer gut. Auch die Porzellanpenen (so lautete glaube ich der  grammatikalisch korrekte Plural von Penis). Vielleicht sollte ich Sören zu meinem persönlichen Bankberater machen. Allerdings ist der meistens genau so knapp bei Kasse wie ich. Warum müssen eigentlich alle guten Ideen immer einen Haken haben?

“Du hast also wieder mal keinen Kredit bekommen.” Sörens Aussage klingt eher nach Feststellung als nach Frage. Trotzdem antworte ich: “Nein, in der Tat nicht. Obwohl meine Idee wirklich gut war, wenn ich das selbst so sagen darf!” “Nun, als du mir bei unserem letzten Abend mit Bier aus Plastikflaschen davon erzählt hast, fand ich sie auch gut.” “Und jetzt nicht mehr?”, ich blicke Sören musternd an. “Nun,” beginnt Sören, “Fakt ist, dass diese Idee an einer derzeit nicht überwindbaren Hürde gescheitert ist. Zeit, sich davon zu verabschieden und sich neuen Herausforderungen zu stellen!” “Aber ich habe mich doch noch gar nicht richtig damit abgefunden, dass diese Idee wirklich gescheitert ist. Ich finde immer noch, das ist das passende Geschäftsmodell für mich!” versuche ich meine Idee zu verteidigen. Ich kann mich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ich sie wirklich aufgeben muss. “Klar, das ganze kam plötzlich für dich. Ihr hattet einen wirklich guten Lauf zusammen, du und die Geschäftsidee. Aber es ist nunmal nichts daraus geworden. Du solltest dich wirklich nicht auf das wäre, hätte und könnte einlassen. Am Ende trauerst du nur einer Idee nach, die schon lange nichts mehr mit deinen aktuellen Bedürfnissen zu tun hat.”…

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