Dritter Versuch…

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Sören ist vor fast dreizehn Jahren aus Schweden nach München gezogen. Er ist Verhaltens- und Psychotherapeut. Als ich ihn mal gefragt hab, warum er Schweden, dass ja statstisch einen wesentlich besseren Lebensstandard hat als Deutschland, verlassen hat. Seine Antwort darauf war, dass er keine Lust mehr hatte, andauernd Ikea-Traumata aufgrund fehlender Bauteile in deren Möbelbastelsets, oder Depressionen wegen der halbjährigen Verdunkelung zu therapieren. “Und da hast du dir ausgerechnet Deutschland ausgesucht? Noch dazu, das erzkonservative und zumindest politisch ganzjährig dunkle Bayern?” habe ich ihn damals gefragt. “Nun bei der anhaltenden Wirtschaftsdepression und Politikverdrossenheit hier im Land ist wenigstens für Nachfrage nach meiner Dienstleistung gesorgt” war seine Antwort damals.

Als Sören drei Stunden und zwei Sixpacks Bier in Plastikflaschen später meine Wohnung verlässt, geht es mir dank seiner kostenlosen Therapie, die aus irgendeinem Grund starke Ähnlichkeit zu einer Sitzung Paartherapie hatte, wieder sehr viel besser. Auch der Trennungsschmerz den mir meine Geschäftsidee zugefügt hat, als wir uns wegen eines privaten Bankberaters trennen mussten, ist auch nicht mehr so dominant vorhanden. Ich denke ich habe in der Sitzung gute Fortschritte gemacht. Dieser verdammte Sören, denke ich als ich die Tür gerade hinter im schließe. Jetzt ist der mit der Nummer tatsächlich drum herum gekommen mir zu sagen, ob er meine Idee überhaupt mal gut fand, oder nur im Suff dazu ja gesagt hat. Er hätte Politiker werden sollen statt Therapeut. Zumindest kann er sich verdammt gut aus allem raus reden.

Ein wenig verwirrt, hundemüde und mit einem dicken Kater wache ich auf, als um 5:30 Uhr mein Wecker mit einem abartig ekelhaftem Konserven-Pop-Song über ebenso abartig ekelhaft künstlich vergrößerte weibliche Körperteile aus meinem alten Radiowecker meinen Traum abrupt beendet. Ich sollte mir einen neuen Radiosender einprogrammieren. Die Verwirrtheit ist wohl hauptsächlich eben jenem Traum geschuldet. Ich habe von spießigen Neureichen geträumt die versucht haben mit handbemalten Porzellanpenen Ikea-Möbel zusammen zu schrauben. Wenigstens hat mir das aber sehr deutlich gezeigt, dass die letzte Geschäftsidee wirklich nicht sonderlich gut war. Was wenn die Käufer meiner wunderbaren Kunstobjekte diese tatsächlich dazu verwenden würden, um Möbel von der Stange zusammen zu bauen? Auch wenn ich diese Idee als abstraktes Gemälde schon sehr feiern würde. Und erschreckender Weise ist sich mein schlafumnebeltes Hirn auch sicher, dass das Zusammenbauen der Möbel mit den von mir erdachten Dekoobjekten definitiv erfolgsversprechender wäre, als mit den mitgelieferten Werkzeugen. Vor allem wären sie zumindest vorhanden. Von diesem Gedankengang erschöpft, sinke ich zurück in die Kissen und schlafe noch ein bisschen weiter. Ich stelle meinen Wecker absichtlich früher, damit ich mich wenigstens einmal am Tag sicher auf etwas freuen kann. Und sei es nur die Freude darüber, dass ich erst in zwei Stunden aufstehen muss…

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