Prolog.

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Regret.

 

PROLOG.

 

Die Sonne ging gerade unter.

Am Himmel wich das tiefe Rot langsam dem Blau der Nacht. Gerade blitzte noch den letzten Rand der Sonne über den Hochhäuser hevor.  Ein letztes Aufblitzen, kurz bevor der Tag endete und unsere Geschichte beginnt.

In einer Gasse dieser Stadt, die so vielen anderen Gassen ähnelt – dreckig, eng, verrußt – befindet sich eine Kneipe. Über der unscheinbaren Tür ist ein gerade noch lesbares Blechschild, das schräg in die Gasse reicht und von einer Straßenlaterne beschienen wird, der einzige Hinweis, dass sich hinter dieser Tür der Eingang zu einer Bar befindet.

Mit dem typischen Klingeln, das durch eine Tür verursacht wird, die an einer kleinen Glocke vorbeischrammt, öffnet sich der Eingang zur Bar.

Ein junger, unscheinbarer Mann betritt die Kneipe. Bekleidet mit einem schlecht sitzendem Anzug, lockerer Krawatte, und der Körperhaltung von jemandem, der formelle Kleidung nicht gewohnt ist, blickt sich der Junge unsicher im Raum um.

Bis auf eine alte Gestalt mit Trenchcoat und Hut am langen Tresen und der dicken Frau, die hinter dem Tresen Gläser mit einem schmutzigen Geschirrtuch reinigt, ist die Kneipe ausgestorben. Die größte Bewegung in dem bedrückenden Raum ist der, durch den Windhauch der aufgehenden Tür aufgewirbelte, Rauch des Zigarettenstummels in einem kristallenen Aschenbecher, der vor dem Alten am Tresen steht.

Die Frau hinter dem Tresen blickt dem Neuankömmling reglos ins Gesicht. Der junge Mann hält dem musternden Blick kurz stand und geht dann gesenkten Blickes zum Tresen. Er nimmt zwei Plätze von dem Alten entfernt auf einem der Barhocker Platz. „Ein Bier …. bitte“ bestellt er mit gedämpfter Stimme, als würde er in einer Bibliothek und nicht in einer Bar sitzen. Seine gesenkte Stimme passt zu der bedrückenden Atmosphäre der Kneipe.

Wortlos unterbricht die Frau ihre, sowieso eher fruchtlose Reinigungsarbeit und knallt das Glas, dass sie gerade geputzt hat zuerst unten den Zapfhahn und dann halb Schaum halb Bier vor dem Jungen auf den Tresen.

Der Junge nimmt einen Schluck, verzieht kurz das Gesicht und schaut dann verstohlen zu dem Alten, der mit Trenchcoat und Hut bekleidet auf seinem Hocker sitzt und eher den Eindruck macht als wolle er direkt wieder gehen. Vor dem Mann steht ein Whiskeyglas. Viel zu voll, und ohne Eis. Eine halb volle Schachtel Zigaretten liegt offen neben einer Packung Streichhölzer und dem Aschenbecher.

Als der Alte den Kopf hebt und seitlich zu dem Jungen blickt, zuckt dieser kurz zusammen und starrt hastig auf sein Bierglas vor ihm.

„Du musst neu sein, hier in der Stadt.“ Die Stimme des Alten klingt wie Donner in der Ferne. So tief wie nur Whiskey und Zigarren eine Stimme werden lassen können. Der Junge nickt schüchtern. „dein erstes Mal in einer Stadt wie dieser?“ Wieder ein zaghaftes Nicken. „Natürlich“, sagt der Alte. „Jeder der hierher kommt, bleibt auch hier. Genau wie in den anderen Städten.“ Der Junge blickt auf. Das Fragezeichen steht ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. „Wie bist du hierher gekommen?“ fragt der Alte, und nimmt einen Schluck Whiskey, bevor der den Jungen eindringlich anblickt. Der Junge senkt wieder den Blick und zuckt kurz mit den Schultern.

Der Alte schweigt eine Weile und tut die Frage, dann mit einer Handbewegung ab. „Wie heißt du?“ möchte dann von dem Jungen wissen. Wieder ein Schulterzucken.

Der Alte und die Frau hinter dem Tresen blicken sich an. In den Gesichtern von beiden kann man kurz einen besorgten Blick aufblitzen sehen. Davon bekommt der Junge nichts mit. Er ist damit beschäftigt den Restschaum in seinem Bierglas anzustarren.

„Hast du keinen Namen?“ fragt der Alte weiter. „Na..m…en….“ beginnt der Juge mit dünner Stimme, „ich…ich…..hatte…einen…ab..er.. .kann mich nicht…..e..innern…“ murmelt er.

Jetzt lehnt sich der Alte nach Links Richtung des Jungen und blickt ihn intensiv an. Der Junge zuckt ob dieser schnellen Bewegung zusammen. „Wie bist du in diese Stadt, und in diese Bar gekommen?“ fragt er sehr nachdrücklich.

„Ich…ich…stand… auf der Straße…..und……und….hab das Schild gesehen…..und…..dann bin ich …. einfach hier rein gegangen…“ stammelt der Junge eingeschüchtert.

„Und davor?“

„davor?“

„Wo hast du dich davor aufgehalten? Woher kommst du? Wie bist du in die Stadt gekommen? Durch das Tor?“ möchte der Alte wissen.

„ich weiß es nicht. Ich habe keine Erinnerung, außer dieser Straße und dem Schild“ stammelt der Junge, verschließt die Lippen und starrt wieder abwesend vor sich hin.

Als der Junge eine ganze Weile schweigend auf sein Glas gestarrt hat, räuspert sich der Alte wieder. Er tauscht einen kurzen Blick mit der Frau hinter dem Tresen aus und wendet sich an den Jungen; „Du erinnerst dich also nicht an ein großes Tor? Eines das so aussieht wie vor chinesischen Tempeln?“ Der Junge blickt fragend von seinem Bierglas auf, und schüttelt dann den Kopf.

„Ungewöhnlich, wirklich ungewöhnlich“ murmelt der Alte mit seiner tiefen Stimme vor sich hin. Zum ersten Mal gibt auch die Frau hinter dem Tresen einen bemerkbaren Ton von sich, und grunzt zustimmend.

„Demnach weißt du nichts, über diese Stadt? Und einen Namen hast du auch nicht bekommen?“ Wieder ein Kopfschütteln des Jungen.

Der Alte hebt kurz sein Glas, das daraufhin erneut gefüllt wird, nimmt sich eine Zigarette, steckt diese an und beginnt dann. „Ich bin der Chronist. Das ist sowohl mein Name als auch meine Aufgabe in dieser Stadt. Jeder hier, hat einen solchen Namen bekommen. Wirklich jeder. Nicht alle Namen sind mit einer Aufgabe verbunden und nicht überall ist die Aufgabe so offensichtlich wie bei mir, und doch hat jeder bei der Ankunft durch das Tor einen Namen und insgeheim auch eine Aufgabe bekommen.“ „was… ist.. ist.. das für eine Stadt hier?“ fragt der Junge zögerlich. „Das einzige, was in dieser Stadt keinen Namen hat“, fährt der Alte fort ohne direkt auf den Jungen einzugehen, „ist die Stadt selbst. Müsste ich ihr einen Namen geben… nun ich denke ich würde ihr den Namen dieser Kneipe hier geben – Regret.“

„Vor langer Zeit war es eine Stadt wie jede andere. Eine in der Menschen lebten, arbeiteten, sich freuten, lachten, weinten. Eine Stadt die einen Alltag hatte – und einen Untergrund.“

Die Barkeeperin seufzt und zum ersten Mal seit der Junge die Kneipe betreten hat sagt sie etwas: „Eine schöne Zeit. Als wir noch richtige Namen hatten und die Stadt normal war.“

Der Junge hört aufmerksam der Erzählung des Alten zu. „Was ist passiert?“ fragt er. Über die Erzählung hat er seine ungeklärten Umstände für den Moment vergessen. Der Alte zieht an seiner Zigarette und beginnt.

„Damals“ begann der Alte „war ich ein Teil dieses Untergrunds. Die krummen Geschäfte in dieser Stadt wurden von vier Gruppen kontrolliert. Diese Gruppen standen in Konkurrenz zueinander, aber sie hielten sich die Waage. Es war ein äußerst sensibles, aber bisher funktionelles Gleichgewicht. Die vier Familien, wie sie sich selbst gerne nannten, hatten die Untergrundgeschäfte untereinander aufgeteilt, sodass möglichst wenig Reibungsfläche für Konflikte entstehen konnte. Die Familie Favorezzi, die die gesamte Prostitution der Stadt kontrollierte. Azzardo, verantwortlich für sämtlichen illegalen Glücksspielhäuser der Stadt. Don Spalarsi und seine Gruppe, die den Drogenhandel in diese Stadt gebracht und aufgebaut hatten. Sowie der Clan Minoranza, der eine lose Gruppierung unter der Anleitung der Brüder Nero und Bianco waren. Sie hatten unter sich all jene Kleinkriminellen und Jugendbanden versammelt, die sonst in der Stadt untergegangen wären. Das ganze ging so lange gut, bis sich Follio Penna ein entfernter Cousin von Azzardo in der Stadt niederließ, und eine eigene Familie gründen wollte.

– Durch diese kleine Feder wurde das Gleichgewicht zerstört.“

 

PROLOG ENDE

 

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