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Prolog.

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Regret.

 

PROLOG.

 

Die Sonne ging gerade unter.

Am Himmel wich das tiefe Rot langsam dem Blau der Nacht. Gerade blitzte noch den letzten Rand der Sonne über den Hochhäuser hevor.  Ein letztes Aufblitzen, kurz bevor der Tag endete und unsere Geschichte beginnt.

In einer Gasse dieser Stadt, die so vielen anderen Gassen ähnelt – dreckig, eng, verrußt – befindet sich eine Kneipe. Über der unscheinbaren Tür ist ein gerade noch lesbares Blechschild, das schräg in die Gasse reicht und von einer Straßenlaterne beschienen wird, der einzige Hinweis, dass sich hinter dieser Tür der Eingang zu einer Bar befindet.

Mit dem typischen Klingeln, das durch eine Tür verursacht wird, die an einer kleinen Glocke vorbeischrammt, öffnet sich der Eingang zur Bar.

Ein junger, unscheinbarer Mann betritt die Kneipe. Bekleidet mit einem schlecht sitzendem Anzug, lockerer Krawatte, und der Körperhaltung von jemandem, der formelle Kleidung nicht gewohnt ist, blickt sich der Junge unsicher im Raum um.

Bis auf eine alte Gestalt mit Trenchcoat und Hut am langen Tresen und der dicken Frau, die hinter dem Tresen Gläser mit einem schmutzigen Geschirrtuch reinigt, ist die Kneipe ausgestorben. Die größte Bewegung in dem bedrückenden Raum ist der, durch den Windhauch der aufgehenden Tür aufgewirbelte, Rauch des Zigarettenstummels in einem kristallenen Aschenbecher, der vor dem Alten am Tresen steht.

Die Frau hinter dem Tresen blickt dem Neuankömmling reglos ins Gesicht. Der junge Mann hält dem musternden Blick kurz stand und geht dann gesenkten Blickes zum Tresen. Er nimmt zwei Plätze von dem Alten entfernt auf einem der Barhocker Platz. „Ein Bier …. bitte“ bestellt er mit gedämpfter Stimme, als würde er in einer Bibliothek und nicht in einer Bar sitzen. Seine gesenkte Stimme passt zu der bedrückenden Atmosphäre der Kneipe.

Wortlos unterbricht die Frau ihre, sowieso eher fruchtlose Reinigungsarbeit und knallt das Glas, dass sie gerade geputzt hat zuerst unten den Zapfhahn und dann halb Schaum halb Bier vor dem Jungen auf den Tresen.

Der Junge nimmt einen Schluck, verzieht kurz das Gesicht und schaut dann verstohlen zu dem Alten, der mit Trenchcoat und Hut bekleidet auf seinem Hocker sitzt und eher den Eindruck macht als wolle er direkt wieder gehen. Vor dem Mann steht ein Whiskeyglas. Viel zu voll, und ohne Eis. Eine halb volle Schachtel Zigaretten liegt offen neben einer Packung Streichhölzer und dem Aschenbecher.

Als der Alte den Kopf hebt und seitlich zu dem Jungen blickt, zuckt dieser kurz zusammen und starrt hastig auf sein Bierglas vor ihm.

„Du musst neu sein, hier in der Stadt.“ Die Stimme des Alten klingt wie Donner in der Ferne. So tief wie nur Whiskey und Zigarren eine Stimme werden lassen können. Der Junge nickt schüchtern. „dein erstes Mal in einer Stadt wie dieser?“ Wieder ein zaghaftes Nicken. „Natürlich“, sagt der Alte. „Jeder der hierher kommt, bleibt auch hier. Genau wie in den anderen Städten.“ Der Junge blickt auf. Das Fragezeichen steht ihm deutlich ins Gesicht geschrieben. „Wie bist du hierher gekommen?“ fragt der Alte, und nimmt einen Schluck Whiskey, bevor der den Jungen eindringlich anblickt. Der Junge senkt wieder den Blick und zuckt kurz mit den Schultern.

Der Alte schweigt eine Weile und tut die Frage, dann mit einer Handbewegung ab. „Wie heißt du?“ möchte dann von dem Jungen wissen. Wieder ein Schulterzucken.

Der Alte und die Frau hinter dem Tresen blicken sich an. In den Gesichtern von beiden kann man kurz einen besorgten Blick aufblitzen sehen. Davon bekommt der Junge nichts mit. Er ist damit beschäftigt den Restschaum in seinem Bierglas anzustarren.

„Hast du keinen Namen?“ fragt der Alte weiter. „Na..m…en….“ beginnt der Juge mit dünner Stimme, „ich…ich…..hatte…einen…ab..er.. .kann mich nicht…..e..innern…“ murmelt er.

Jetzt lehnt sich der Alte nach Links Richtung des Jungen und blickt ihn intensiv an. Der Junge zuckt ob dieser schnellen Bewegung zusammen. „Wie bist du in diese Stadt, und in diese Bar gekommen?“ fragt er sehr nachdrücklich.

„Ich…ich…stand… auf der Straße…..und……und….hab das Schild gesehen…..und…..dann bin ich …. einfach hier rein gegangen…“ stammelt der Junge eingeschüchtert.

„Und davor?“

„davor?“

„Wo hast du dich davor aufgehalten? Woher kommst du? Wie bist du in die Stadt gekommen? Durch das Tor?“ möchte der Alte wissen.

„ich weiß es nicht. Ich habe keine Erinnerung, außer dieser Straße und dem Schild“ stammelt der Junge, verschließt die Lippen und starrt wieder abwesend vor sich hin.

Als der Junge eine ganze Weile schweigend auf sein Glas gestarrt hat, räuspert sich der Alte wieder. Er tauscht einen kurzen Blick mit der Frau hinter dem Tresen aus und wendet sich an den Jungen; „Du erinnerst dich also nicht an ein großes Tor? Eines das so aussieht wie vor chinesischen Tempeln?“ Der Junge blickt fragend von seinem Bierglas auf, und schüttelt dann den Kopf.

„Ungewöhnlich, wirklich ungewöhnlich“ murmelt der Alte mit seiner tiefen Stimme vor sich hin. Zum ersten Mal gibt auch die Frau hinter dem Tresen einen bemerkbaren Ton von sich, und grunzt zustimmend.

„Demnach weißt du nichts, über diese Stadt? Und einen Namen hast du auch nicht bekommen?“ Wieder ein Kopfschütteln des Jungen.

Der Alte hebt kurz sein Glas, das daraufhin erneut gefüllt wird, nimmt sich eine Zigarette, steckt diese an und beginnt dann. „Ich bin der Chronist. Das ist sowohl mein Name als auch meine Aufgabe in dieser Stadt. Jeder hier, hat einen solchen Namen bekommen. Wirklich jeder. Nicht alle Namen sind mit einer Aufgabe verbunden und nicht überall ist die Aufgabe so offensichtlich wie bei mir, und doch hat jeder bei der Ankunft durch das Tor einen Namen und insgeheim auch eine Aufgabe bekommen.“ „was… ist.. ist.. das für eine Stadt hier?“ fragt der Junge zögerlich. „Das einzige, was in dieser Stadt keinen Namen hat“, fährt der Alte fort ohne direkt auf den Jungen einzugehen, „ist die Stadt selbst. Müsste ich ihr einen Namen geben… nun ich denke ich würde ihr den Namen dieser Kneipe hier geben – Regret.“

„Vor langer Zeit war es eine Stadt wie jede andere. Eine in der Menschen lebten, arbeiteten, sich freuten, lachten, weinten. Eine Stadt die einen Alltag hatte – und einen Untergrund.“

Die Barkeeperin seufzt und zum ersten Mal seit der Junge die Kneipe betreten hat sagt sie etwas: „Eine schöne Zeit. Als wir noch richtige Namen hatten und die Stadt normal war.“

Der Junge hört aufmerksam der Erzählung des Alten zu. „Was ist passiert?“ fragt er. Über die Erzählung hat er seine ungeklärten Umstände für den Moment vergessen. Der Alte zieht an seiner Zigarette und beginnt.

„Damals“ begann der Alte „war ich ein Teil dieses Untergrunds. Die krummen Geschäfte in dieser Stadt wurden von vier Gruppen kontrolliert. Diese Gruppen standen in Konkurrenz zueinander, aber sie hielten sich die Waage. Es war ein äußerst sensibles, aber bisher funktionelles Gleichgewicht. Die vier Familien, wie sie sich selbst gerne nannten, hatten die Untergrundgeschäfte untereinander aufgeteilt, sodass möglichst wenig Reibungsfläche für Konflikte entstehen konnte. Die Familie Favorezzi, die die gesamte Prostitution der Stadt kontrollierte. Azzardo, verantwortlich für sämtlichen illegalen Glücksspielhäuser der Stadt. Don Spalarsi und seine Gruppe, die den Drogenhandel in diese Stadt gebracht und aufgebaut hatten. Sowie der Clan Minoranza, der eine lose Gruppierung unter der Anleitung der Brüder Nero und Bianco waren. Sie hatten unter sich all jene Kleinkriminellen und Jugendbanden versammelt, die sonst in der Stadt untergegangen wären. Das ganze ging so lange gut, bis sich Follio Penna ein entfernter Cousin von Azzardo in der Stadt niederließ, und eine eigene Familie gründen wollte.

– Durch diese kleine Feder wurde das Gleichgewicht zerstört.“

 

PROLOG ENDE

 

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Sechster Versuch…

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Als ich mich abends wieder zur U-Bahn begebe fällt mir schmerzlichst auf, dass ich wieder einmal vergessen habe, die Batterien in meinem MP3 Player zu tauschen. Nach sage und schreibe zwei Sekunden Kreischen ist Sense. Zum Glück ist es gerade schwer noch schlechter gelaunt zu sein. Diese Erkenntnis heitert mich ein wenig auf. Direkt drauf nutzt meine Stimmung dieses kurze Hoch aus um den gerade verpassten Absturz in den Keller nachzuholen. Scheiß Physik mit ihrem Energieerhaltungssatz. Ob es wohl Menschen gibt die emotionale Physik studieren? Oder würde das physikalische Emotionen heißen?

Mein Gedankengang wird durch die einfahrende U-Bahn unterbrochen. Ich dränge mich als erstes durch die Türe und blicke mich nach einem Sitzplatz um. Ein Mann mit dem gerade so beliebten Undercut, Vollbart, Kassengestell auf der Nase und Hose aus der H&M Frauenabteilung belegt gemeinsam mit seinem modischem Rucksack gut dreiviertel einer Sitzbank. Sehr schön. Emotionale Energieerhaltung. Ich setze mich so nah wie möglich neben ihn und spreche ihn freundlich lächelnd an. “Entschuldigen Sie guter Mann. Ich wollte Sie uns Ihre Begleitung nicht in Ihrer trauten Zweisamkeit stören. Ist es Ihnen eventuell trotzdem möglich ihren Rucksack soweit von diesem Platz zu nehmen, dass ich beide Arschbacken auf selbigen bekomme? Sie könnten ihn beispielsweise zwischen Ihre Beine stellen. Dann wüssten Sie zeitgleich sogar mal wie es sich anfühlt dort einen Sack zu haben. Win-Win-Situation sozusagen. Oder, nachdem ich ja selbst auch kein Freund von Eiern, äh Rucksäcke aus Bodenhaltung bin, könnten Sie ihn sich auch auf den Schoß legen.” Ich pausiere und schaue ihn erwartungsvoll an. Leider hat er wohl nicht vergessen seinen MP3 Player aufzuladen. Erst jetzt bemerke ich seine Kopfhörer. Spontan füllt sich die grade gefundene Freude wieder durch Missmut. “Entschuldigung?” Fragt der Junge schüchtern, während er sich einen Stöpsel aus dem Ohr zieht. “Schon gut.” Sage ich. “Läuft bei dir.”

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Fünfter Versuch…

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Ich stecke mir die billigen, bei meinem MP3-Player mitgelieferten und unglaublich schlechten Kopfhörer in die Ohren und steige die Treppe zur U-Bahn hinab. Während die Doublebase einer Metalcore Band wohltuend meine Trommelfelle massieren, steige ich in die U-Bahn. Wohltuend ist in diesem Falle relativ zu sehen. Es ist zumindest sehr viel angenehmer, als den Gesprächen der Zwölfjährigen zu lauschen, deren Schule scheinbar leider irgendwo auf meinem Arbeitsweg liegt.

“Nächster Halt: Goetheplatz.” nehme ich die Durchsage im Halbschlaf wahr, als gerade ein paar Sekunden Stille zwischen zwei Liedern herrscht. Ich schrecke auf und überprüfe kurz anhand meiner Reflektion in der Scheibe ob ich im Schlaf gesabbert habe. Nein, zum Glück nicht.

Schon echt erstaunlich welche technischen Fortschritte die U-Bahnansagen in den letzten zehn Jahren gemacht haben. Von “nuhunu….krtschhhhhh” zu einer klar verständlichen Aufnahme einer halbwegs angenehmen Stimme, ohne Dialekt. Da soll sich nochmal einer über die MVG beschweren. Die U-Bahn bleibt mit einem Ruck stehen. Mitten im Tunnel. “Verehrte Fahrgäste, unsere Weiterfahrt verzögert sich ein wenig, da die Gleise noch durch den vorherigen Zug belegt sind.” Scheiß MVG!

Zusammen mit einer Gruppe Jugendlicher, denen die Funktionsweise eines Mobiltelefons noch nicht ganz geläufig ist, schleppe ich mich die Treppen hoch. Die Rolltreppe wird gerade repariert. “Alter, ‘s geht, die Schlampe hat mich gestern einfach sitzen lassen…” Höre ich einen etwa Fünfzehnjährigen in sein Smartphone rufen. Er hat zum telefonieren den Lautsprecher eingeschalten und hält es sich abwechselnd quer vor den Mund, um hinein zu sprechen, und anschließend mit einer Halbkreisbewegung ans Ohr, um zu hören was sein Gesprächspartner in ähnlich niveauvoller Grammatik am anderen Ende in sein mobiles Endgerät brüllt. Im selben Takt in dem der Besitzer des Handys selbiges ans Ohr bewegt, lehnen sich die Jugendlichen um ihn herum näher an das Telefon. Vermutlich um mitzuhören was auf der anderen Seite gesagt wird. Nicht, dass das nötig wäre, denn der Lautsprecher ist laut genug, um sämtliche Leute im Umkreis der U-Bahn Station daran teilhaben zu lassen. Die anderen Mitglieder der Gruppe unterstüzten die beiden Gesprächspartner durch gelegentliche Zwischenrufe wie “Voll!” “Korrekt!” oder “Läuft bei dir”. Letzeres soll wohl Jugendwort oder so des Jahres geworden sein. Drei Wörter.

Von dem Gedanken amüsiert, wie sich sämtliche Geheimdienste dieser Welt gegenseitig einen Mitschnitt des eben miterlebten Telefonats zuschicken um herauszufinden welche Sprache das ist, welche Geheimcodes sich eventuell dahinter verbergen, und wie sie zu entschlüsseln sind, schleppe ich mich die letzten Meter bis zum Eingang des Firmengebäudes.

Wenig später sitze ich mit einem sehr schlechten Kaffee in einer schlecht ausgewaschenen Tasse in meinem schlecht beleuchteten Büro und bereite mich auf den heutigen Tag vor. Soweit das möglich ist. Viele meiner Klienten kommen hier zum ersten Mal rein um sich nach freien Stellen zu erkundigen. Eigentlich jeder hat einen Hang zum Extremen. Die einen sind extrem motiviert, andere extrem verzweifelt und manchen ist alles extrem egal.

Mein letzter Gast an diesem Tag gehört zur dritten Gruppe. Es ist der Jugendliche von heute Morgen. “Guten Tag” sagt er schüchtern. Ich schaue zu ihm auf und entgegne: “Läuft bei dir?”

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Vierter Versuch…

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Knappe zwei Stunden später schleife ich mich mit der Motivation eines Todeskandidaten auf dem Weg zum elektrischen Stuhl, unter die Dusche.

Das eiskalte Wasser, mein Vermieter hat es auch nach zwei Monaten nicht geschafft sich um die Heißwasserversorgung meiner Wohnung zu kümmern, verbannt glücklicherweise die Gedanken an meinen verstörenden Traum in eine selten genutzte Ecke meines Denkapparats. Leider hat das auch zum Effekt, dass sich meine Gedanken, jetzt ein wenig klarer, der ebenso verstörenden Realität zuwenden. Arbeit. Ein grausamer Gedanke.

Frisch geduscht, gut riechend und schlecht gekleidet verlasse ich das Haus. Ich stolpere fast in den zwei Meter tiefen Graben, der derzeit gleich einer mittelalterlichen Befestigungsanlage unser Wohngebäude umgibt. Dieser Graben ist nicht nur der Grund meines morgendlichen Nahtoderlebnisses, sondern auch der Grund, warum, laut meinem Vermieter, derzeit die Warmwasserversorgung in unserem Haus “nur eingeschränkt möglich ist. Tut mir leid, da sind mir die Hände leider gebunden.” Der hat gut reden. Sitzt in seinem Hamburger Landdomizil und lässt sich die Fischsemmeln von seinen Untergebenen zwischen die Backen schieben. Zwischen alle vier. In eben besagtem Graben liegen seit besagten zwei Monaten riesige Rohre, deren Durchmesser sogar unserem Ministerpräsidenten erlauben würden, seine mentalen Ausflüsse ungefiltert in die Kanalisation zu kippen. Dort wären seine Ideen auch sehr viel besser aufgehoben, als in der breiten Öffentlichkeit. Die im Übrigen sehr selten so breit ist, dass sie die bayerische Politik ertragbar finden könnte. Gut, wenn die breite Masse tatsächlich immer breit wäre, könnte es auch wieder eng werden mit dem Platz in den Rohren. Welches fehlgeschlagene Drogenexperiment meinerJugendjahre ist eigentlich für meine Gedankengänge verantwortlich? Bestimmt keines an das ich mich erinnern kann. Sonst wäre es auch nicht gänzlich fehlgeschlagen würde ich tippen. Zurück zu den Rohren. Seit knapp zwei Monaten ist auch kein erkennbarer Fortschritt zu sehen. Legenden zufolge, sollen diese Rohre die schon sehr alten und stellenweise rissigen, die derzeit Verwendung finden, ersetzen. Egal.

Ich passe meine Laufrichtung an und balanciere über das dünne Holzbrett, das quasi als Zugbrücke über den Hausgraben gelegt wurde auf die U-Bahnstation zu, um mich auf dem Weg zum Arbeitsamt zu machen. Nicht, weil ich Arbeit suche, sondern weil die Bundesagentur für Arbeit tatsächlich mein Arbeitgeber ist. Ich verbringe meinen armseligen Arbeitstag damit, noch armseligeren Arbeitssuchenden zu vermitteln, dass sie schwer zu vermitteln sind…

 

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Dritter Versuch…

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Sören ist vor fast dreizehn Jahren aus Schweden nach München gezogen. Er ist Verhaltens- und Psychotherapeut. Als ich ihn mal gefragt hab, warum er Schweden, dass ja statstisch einen wesentlich besseren Lebensstandard hat als Deutschland, verlassen hat. Seine Antwort darauf war, dass er keine Lust mehr hatte, andauernd Ikea-Traumata aufgrund fehlender Bauteile in deren Möbelbastelsets, oder Depressionen wegen der halbjährigen Verdunkelung zu therapieren. “Und da hast du dir ausgerechnet Deutschland ausgesucht? Noch dazu, das erzkonservative und zumindest politisch ganzjährig dunkle Bayern?” habe ich ihn damals gefragt. “Nun bei der anhaltenden Wirtschaftsdepression und Politikverdrossenheit hier im Land ist wenigstens für Nachfrage nach meiner Dienstleistung gesorgt” war seine Antwort damals.

Als Sören drei Stunden und zwei Sixpacks Bier in Plastikflaschen später meine Wohnung verlässt, geht es mir dank seiner kostenlosen Therapie, die aus irgendeinem Grund starke Ähnlichkeit zu einer Sitzung Paartherapie hatte, wieder sehr viel besser. Auch der Trennungsschmerz den mir meine Geschäftsidee zugefügt hat, als wir uns wegen eines privaten Bankberaters trennen mussten, ist auch nicht mehr so dominant vorhanden. Ich denke ich habe in der Sitzung gute Fortschritte gemacht. Dieser verdammte Sören, denke ich als ich die Tür gerade hinter im schließe. Jetzt ist der mit der Nummer tatsächlich drum herum gekommen mir zu sagen, ob er meine Idee überhaupt mal gut fand, oder nur im Suff dazu ja gesagt hat. Er hätte Politiker werden sollen statt Therapeut. Zumindest kann er sich verdammt gut aus allem raus reden.

Ein wenig verwirrt, hundemüde und mit einem dicken Kater wache ich auf, als um 5:30 Uhr mein Wecker mit einem abartig ekelhaftem Konserven-Pop-Song über ebenso abartig ekelhaft künstlich vergrößerte weibliche Körperteile aus meinem alten Radiowecker meinen Traum abrupt beendet. Ich sollte mir einen neuen Radiosender einprogrammieren. Die Verwirrtheit ist wohl hauptsächlich eben jenem Traum geschuldet. Ich habe von spießigen Neureichen geträumt die versucht haben mit handbemalten Porzellanpenen Ikea-Möbel zusammen zu schrauben. Wenigstens hat mir das aber sehr deutlich gezeigt, dass die letzte Geschäftsidee wirklich nicht sonderlich gut war. Was wenn die Käufer meiner wunderbaren Kunstobjekte diese tatsächlich dazu verwenden würden, um Möbel von der Stange zusammen zu bauen? Auch wenn ich diese Idee als abstraktes Gemälde schon sehr feiern würde. Und erschreckender Weise ist sich mein schlafumnebeltes Hirn auch sicher, dass das Zusammenbauen der Möbel mit den von mir erdachten Dekoobjekten definitiv erfolgsversprechender wäre, als mit den mitgelieferten Werkzeugen. Vor allem wären sie zumindest vorhanden. Von diesem Gedankengang erschöpft, sinke ich zurück in die Kissen und schlafe noch ein bisschen weiter. Ich stelle meinen Wecker absichtlich früher, damit ich mich wenigstens einmal am Tag sicher auf etwas freuen kann. Und sei es nur die Freude darüber, dass ich erst in zwei Stunden aufstehen muss…

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Zweiter Versuch…

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Zu Hause angekommen, schleudere ich lustlos mein Sakko und meine Umhängetasche in eine Ecke meiner viel zu kleinen Wohnung. Ich bereue diese Tat auf der Stelle, als mir einfällt, dass sich mein Laptop noch in der Tasche befindet. Als ich überprüft habe ob der Laptop noch funktioniert (lediglich den Bildschirm ziert jetzt ein schicker Sprung von der rechten oberen Ecke bis fast genau zum Mittelpunkt) muss ich vor Erleichterung erstmal aufs Klo.

Ich lege das Buch beiseite, das ich gerade lese. Ein Buch über einen Millionär. Es ist witzig, aber auch irgendwie traurig weil es dem Typen in dem Buch ähnlich geht wie mir. Im Vergleich zu mir ist er aber fiktiv. Und hat zudem auch noch einen Plan um sich aus der Misere zu befreien, in der er steckt. Während ich mich darüber aufrege, dass mein Mitbewohner schon wieder zum günstigsten Klopapier gegriffen hat, was mich unfreiwilliger Weise dazu gebracht hat, mit meinem tiefsten Inneren in Kontakt zu treten, denke ich mir, dass ich das mit dem Buch schreiben ja auch mal versuchen könnte. So als Selbsttherapie. Außerdem werde ich ab jetzt mein eigenes Klopapier kaufen.

Es klingelt an der Tür als ich gerade überlege ob ich was kochen soll oder mich doch von Alkohol ernähre. Ich werfe einen Blick durch den Türspion. Davor steht ein, durch die Linse ein wenig verzerrter, aber doch deutlich identifizierbarer Sören. Sören und ich haben als Nachbarn angefangen, als ich vor vier Jahren hier eingezogen bin. Inzwischen reden wir sogar miteinander.

Ich öffne die Tür. „Hallo Sören.“ „Hey! Hast du Lust mit mir Bier aus Plastikflaschen zu trinken?“ Jetzt bin ich froh, Sören zu sehen. Ohne es zu wissen hat er mir die Entscheidung über die Art meiner  Nahrungsaufnahme gerade abgenommen. „Klar, komm rein!“ Ich trete bei Seite um Sören Einlass zu gewähren. „Hier“ sagt Sören und drückt mir zwei Sixpacks Bier in Plastikflaschen in die Hand. „Sind nicht kalt, mein Kühlschrank ist heute von uns gegangen“, erklärt Sören den Zustand des Biers. „Wenn du es noch ein wenig länger neben der Heizung hättest stehen lassen, könnten wir Löcher rein stechen und das Bier inhalieren“, gebe ich zurück und überlege, ob ich das Bier in ein Glas oder doch eine Suppenschüssel gießen soll. Ich entscheide mich letztendlich für die Gläser und stelle den Rest kalt. Einem geschenkten Gaul schaut man eben nicht ins Maul.

„Prost!“ wir prosten uns zu und setzen uns auf die Couch. „Wie war es denn bei der Bank?“ will Sören wissen. „Ach diese Banker sind einfach nicht mehr in der Lage wahres Genie zu erkennen, wenn sie es sehen“, beschreibe ich achselnzuckend meine heutige niederschmetternde Erfahrung bei der Bank, die mein Vertrauen verloren hat. „Aha“, sagt Sören. Er fand meine Geschäftsideen bis jetzt immer gut. Auch die Porzellanpenen (so lautete glaube ich der  grammatikalisch korrekte Plural von Penis). Vielleicht sollte ich Sören zu meinem persönlichen Bankberater machen. Allerdings ist der meistens genau so knapp bei Kasse wie ich. Warum müssen eigentlich alle guten Ideen immer einen Haken haben?

“Du hast also wieder mal keinen Kredit bekommen.” Sörens Aussage klingt eher nach Feststellung als nach Frage. Trotzdem antworte ich: “Nein, in der Tat nicht. Obwohl meine Idee wirklich gut war, wenn ich das selbst so sagen darf!” “Nun, als du mir bei unserem letzten Abend mit Bier aus Plastikflaschen davon erzählt hast, fand ich sie auch gut.” “Und jetzt nicht mehr?”, ich blicke Sören musternd an. “Nun,” beginnt Sören, “Fakt ist, dass diese Idee an einer derzeit nicht überwindbaren Hürde gescheitert ist. Zeit, sich davon zu verabschieden und sich neuen Herausforderungen zu stellen!” “Aber ich habe mich doch noch gar nicht richtig damit abgefunden, dass diese Idee wirklich gescheitert ist. Ich finde immer noch, das ist das passende Geschäftsmodell für mich!” versuche ich meine Idee zu verteidigen. Ich kann mich noch nicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ich sie wirklich aufgeben muss. “Klar, das ganze kam plötzlich für dich. Ihr hattet einen wirklich guten Lauf zusammen, du und die Geschäftsidee. Aber es ist nunmal nichts daraus geworden. Du solltest dich wirklich nicht auf das wäre, hätte und könnte einlassen. Am Ende trauerst du nur einer Idee nach, die schon lange nichts mehr mit deinen aktuellen Bedürfnissen zu tun hat.”…

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Erster Versuch…

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Mühsam stapfe ich durch die Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs. Bewaffnet mit der unscheinbaren, braunen, bedruckten Papiertüte eines amerikanischen Gourmet-Tempels versuche ich gerade eines der Gebilde, das mir als Burger verkauft worden ist verlustfrei zu essen. Ich versuche zumindest mit den herunterfallenden Salat- und Soßeimitaten meinen Anzug und mein Hemd zu verfehlen. Die Betonung liegt hierbei auf „versuche“. Das Vorhaben scheitert so kläglich wie mein dritter Versuch mich selbstständig zu machen. Wären wir in den Staaten, könnte ich wenigstens besagte Fast Food Kette auf Millionen verklagen, weil auf der Verpackung nicht steht, dass sich Essen und Gehen nicht sonderlich gut mit dem Element Kleidung vertragen. Im Übrigen genauso wenig, wie das Element „Burger“ mit meinem Magen. Warum tue ich mir das eigentlich immer wieder an?

Ach ja, der Versuch mit der Selbstständigkeit. Mein persönlicher Bankberater wollte mir keinen Kredit geben. Er ist der Meinung, das Porzellanpenisse, so kleine handbemalte, als Dekoobjekt, kein „zukunftsträchtiges Geschäftsmodell“ sind. So ein Schwachsinn. Deswegen hatte ich mir ja extra Geschäftsräume in Grünwald ausgeguckt. Die reichen Schnösel kaufen doch alles was ihre schöne, aber zu mehr als Dekozwecken nicht geeignete, Frau „süß“ oder irgendwie „frech niedlich“ findet.

Also doch in die Staaten ziehen und Fast Food Ketten verklagen. Dann müsste ich auch nicht mehr als Bittsteller bei diesem aalglatten persönlichen Bankberater auftauchen. Von wegen persönlich, und „kommen sie doch einfach vorbei“. Wenn der nur für mich persönlich da wäre, müsste ich keinen Termin ausmachen. Und er würde mich auch nicht vor die Tür setzen, weil er „noch einen Abschlusstermin“ hat. Diese Bank hat mich das letzte mal als Kunden gesehen. Hab eh kein Geld mehr.  Schlecht gelaunt hole ich die zweite Beleidigung meiner Geschmacksnerven aus der unscheinbaren Papiertüte und beiße hinein. Ich sollte noch einen fünften Brief schreiben in dem ich einem Warnhinweis mit „Achtung, schmeckt scheiße!“ auf den Verpackungen, oder besser, gut sichtbar außen an den Filialen fordere. Vielleicht lass ich’s ja dann endlich mal bleiben…

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Welcome to the Office Circus!

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Welcome to the Office Circus
Das ist er, der Bär der uns bei Sinnen hält, wenn die Arbeit und der Stress mal wieder überhand nehmen.

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Ihr findet seine Gallerie gesammelt oben in der Seite Office Bear oder indem ihr hier klickt!

Bisher ist der Bär übrigens namenlos. Vorschläge und andere Kritik (natürlich auch Lob) dürft ihr gerne in den Kommentaren hinterlassen.

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